September. Jerusalem, Rehavia. Dreißig Grad.
Wobei, was heißt eigentlich dreißig Grad? Dreißig Grad fühlen sich in Jerusalem vollkommen anders an als in irgendwo Deutschland. Worin dieser Unterschied begründet liegt, weiß ich nicht. Gewiss ließe sich das googeln und dafür eine hinreichend wissenschaftliche Erklärung finden. Ich meinerseits kann lediglich als eine von vielen Zeugen fungieren und bestätigen, dass die Wärme dort wesentlich angenehmer und leichter zu ertragen ist als ein deutscher Sommertag bei gleicher Temperatur. Dementsprechend wäre dreißig Jerusalemer Grad die genauere Angabe. Dreißig Grad sind also eigentlich nicht wirklich dreißig Grad, bleiben aber dennoch dreißig Grad: wie es dem auch sei.
Jedenfalls musste ich an diesem Dreißig-Grad-Jerusalemer Tag Israel verlassen. Das klingt dramatisch, gemeint ist allerdings lediglich, dass mein Urlaub zu Ende war und ich nach Hause musste.
Zum Bahnhof setzte ich meinen Weg selbstverständlich zu Fuß, wie jeder normale Mensch eine Strecke von weniger als drei Stunden Fußmarsch auf den eigenen zwei Beinen zurücklegt. Derartige kleine Spaziergänge haben den Vorzug, die jeweilige Umgebung unterwegs noch ein wenig genießen zu können.
Bei Flugreisen habe ich eine nahezu allgemeine menschliche Neigung festgestellt: Man erscheint stets viel zu früh am Flughafen, vermutlich um für etwaige Unwägbarkeiten gewappnet zu sein. Je mehr Flugerfahrung man jedoch sammelt, desto häufiger stellt man fest, dass diese unvorhersehbaren Dinge gewöhnlich gar nicht eintreten. Am Ende sitzt man drei oder vier Stunden am Gate und wartet.
Diesmal hatte ich daher beschlossen, auf diese ausufernde Vorsicht zu verzichten. Selbstverständlich musste ausgerechnet diesmal etwas Ungeplantes geschehen.
***
Als ich nach der Zugfahrt am Flughafen ankam, erfuhr ich, dass ich mich nicht dort befand, wo mein Flug abgefertigt wurde. Den Auskünften der Flughafenmitarbeiter zufolge musste ich zunächst einen bestimmten internen Bus nehmen, der mich zu einem anderen Teil des Flughafens bringen sollte. Der Bus fuhr zu festgesetzten Zeiten, und auch die Fahrt selbst würde noch einmal etwa zwanzig Minuten beanspruchen.
Mit einem Mal fehlten mir beinahe vierzig Minuten, deren Verlust in meiner bisherigen Rechnung nicht vorgesehen war. Meine bis dahin ausgesprochen gelassene Abschiedsstimmung wich einer zunehmenden Anspannung. Noch war genügend Zeit vorhanden, um meinen Flug zu erreichen; jede weitere Verzögerung konnte nun allerdings darüber entscheiden, ob ich an diesem Tag tatsächlich nach Hause fliegen würde oder nicht.
Erschwerend kam hinzu, dass ich nicht wusste, was mich am Ende der Busfahrt erwartete. Ich wusste weder genau, wo man mich absetzen würde, noch, welchen Weg ich von dort aus nehmen musste und wie lange ich brauchen würde, um ihn überhaupt zu finden.
Der Orientierungssinn gehört nicht zu meinen Begabungen – oder, genauer gesagt: Er fehlt mir vollständig. Auch diese meine Eigentümlichkeit musste ich folglich in die schwindende Zeitreserve einrechnen.
An der Haltestelle warteten bereits reichlich Menschen, alle ausschließlich arabische Familien mit Kindern, Rucksäcken und Koffern. Es ging ausgesprochen laut und hektisch zu. Stimmen überlagerten einander, Kinder bewegten sich zwischen Erwachsenen und Gepäckstücken hindurch, Koffer wurden gezogen, geschoben und immer wieder umgestellt. Nach Tonlage, Gesichtsausdruck und Gestik zu urteilen, schienen sie alle miteinander zu schimpften oder ernste Probleme zu besprechen.
Als der Bus schließlich eintraf und die Türen sich öffneten, setzte sich die gesamte Menge beinahe augenblicklich in Bewegung. Zu meinem Glück hatte ich lediglich einen Rucksack bei mir und es gelang mir, mich noch durch eine der verbliebenen Lücken zu zwängen und einen Platz hinter einer der Haltestangen zu finden.
Um mich herum setzte sich das Stimmengewirr unvermindert fort. Es war heiß, eng und mittlerweile auch entsprechend stickig; Menschen standen dicht an dicht, redeten laut durcheinander und versuchten gleichzeitig, sich selbst, ihre Kinder und ihre Gepäckstücke irgendwo unterzubringen.
Meine Stimmung hatte damit ihren vorläufigen Tiefpunkt erreicht.
Doch trotz des überfüllten Zustandes des kleinen Buses, quetschten sich weiterhin Menschen herein. Einer der letzten stieg Checker Tobi mit einer Begleitung ein. Ich stellte mir zunächst keine weiteren Fragen dazu. Ich nahm lediglich zur Kenntnis, dass Checker Tobi nun ebenfalls hier war und sich irgendwo in meiner unmittelbaren Nähe aufstellte. Damit standen drei Menschen aus Deutschland, darunter ein prominenter Kinderfernsehmoderator, in einem hoffnungslos überfüllten Bus am Flughafen Ben-Gurion, umgeben von laut redenden arabischen Familien, Gepäck und mittlerweile reichlich verbrauchter Luft, und fuhren gemeinsam irgendwohin.
Checker Tobi war mir zu diesem Zeitpunkt ausgesprochen bekannt. Meine Kinder sahen seine Sendung seit Jahren nahezu täglich, kannten manche Folgen beinahe auswendig und führten regelmäßig Auseinandersetzungen darüber, wer nun der bessere Checker sei: Checker Tobi oder Checker Can. Entsprechend häufig hatte ich in den vergangenen Jahren auch seine Stimme gehört. Dass ebendiese Stimme nun wenige Schritte von mir entfernt mit seiner Begleitung sprach, war nun einmal eine Tatsache, die ich hinnahm.
Dann musste ich allerdings widerwillig einsehen, dass sich zu meinen bisherigen Schwierigkeiten eine weitere gesellt hatte: Ich musste Checker Tobi ansprechen. Es erschien mir ausgeschlossen, nach Hause zu kommen und meinen Kindern beiläufig mitzuteilen, ich hätte Checker Tobi in einem Bus in Israel getroffen, nur um auf die unvermeidliche Frage, was ich daraufhin getan hätte, antworten zu müssen: nichts.
Ihn jetzt anzusprechen erschien mir allerdings ebenso unangebracht. Der Bus war überfüllt, der Betroffene war in ein Gespräch vertieft, und mir fiel beim besten Willen kein vernünftiger Anlass ein, mich mitten in dieses Gespräch einzuschalten. Also begann mein Kopf, unter dem ohnehin bestehenden Zeitdruck nach einer anderen Möglichkeit zu suchen.
Zunächst musste ich verstehen, was Checker Tobi überhaupt in Israel tat.
„Vermutlich hatte er hier gedreht.“
„Wo war dann das Filmteam?“
„Wahrscheinlich bereits vorausgeflogen. Es handelte sich bestimmt um einen Transitflug. Vielleicht wurde eine Folge über die Region gedreht und seine Reise ging von Israel aus noch in ein anderes Land.“
„Wohin?“
„Nach Ägypten.“
Das erschwerte die Angelegenheit. Der Bus brachte uns zu jenem Teil des Flughafens, von dem internationale Flüge abgingen. Mein Flug führte wie bekannt nach Deutschland; seiner, so hatte ich mittlerweile beschlossen, nach Ägypten und vermutlich über irgendeine weitere Verbindung. Ob die entsprechenden Abflüge überhaupt im selben Bereich lagen, wusste ich nicht. Möglicherweise würden sich unsere Wege unmittelbar nach dem Aussteigen trennen.
Schließlich beschloss ich, zunächst abzuwarten, bis wir ausgestiegen waren. Dann würde ich sehen, in welche Richtung er ging und ob unsere Wege sich vielleicht noch für eine Weile deckten.
Nach dem Aussteigen ging alles recht schnell. Er lief vor mir, ich hinter ihm, während ich mich einigermaßen verzweifelt umzusehen und herauszufinden versuchte, wohin ich eigentlich musste. Besonders viele Möglichkeiten gab es allerdings nicht. Soweit ich erkennen konnte, führte nur ein Eingang weiter, und genau auf diesen bewegten sich ohnehin alle zu.
Unmittelbar hinter dem Eingang endete bereits eine Warteschlange. Oder vielmehr: Sie begann dort für diejenigen, die sich hintenanstellen mussten; ihr vorderes Ende war von dieser Stelle aus kaum auszumachen.
Checker Tobi blieb stehen und stellte sich mit seiner Begleitung an. Ich blieb ebenfalls unmittelbar hinter ihnen stehen und versuchte weiterhin festzustellen, ob ich hier sein muss oder woanders.
In diesem Moment drehte sich Checker Tobi zu mir um und sprach mich auf Englisch an. Er fragte, ob ich wisse, ob dies die richtige Warteschlange für den Flug nach Berlin-Brandenburg sei.
Also flog er offenbar doch nicht nach Ägypten, sondern nach Berlin, genauso wie ich. Damit stieg zugleich die Wahrscheinlichkeit erheblich, dass auch ich mich in der richtigen Warteschlange befand. Und falls nicht, standen wir immerhin gemeinsam falsch und würden denselben Flug verpassen. Auch die Frage, wie ich Checker Tobi ansprechen sollte, hatte sich unverhofft erledigt. Allerdings nicht ganz in dem Zusammenhang, den ich vorgesehen hatte. Mein Anliegen hatte darin bestanden, ihm irgendwie mitzuteilen, dass ich ihn kannte, dass meine Kinder seine Sendung seit Jahren sahen, und nach Möglichkeit irgendeinen Nachweis dieser Begegnung für sie zu beschaffen. Nun stand er stattdessen vor mir, wartete auf eine Auskunft über unseren gemeinsamen Flug.
Ich antwortete auf Deutsch. Ich sagte, dass ich es ebenfalls nicht genau wisse, aber davon ausginge, dass wir hier richtig seien. Ich müsse nämlich auch nach Berlin.
Wie ihm der unvermittelte Sprachwechsel vorkam, weiß ich nicht. Er ließ sich jedenfalls ohne Weiteres erklären: Er und seine Begleitung hatten vor mir Deutsch gesprochen, und spätestens jetzt wussten wir ohnehin voneinander, dass wir alle nach Berlin wollten. Für mich selbst bedurfte es allerdings nicht einmal dieser Erklärung. Für ihn war ich irgendeine fremde Frau auf einem internationalen Flughafen in Israel. Für mich war er Checker Tobi. Checker Tobi sprach Deutsch. Ich sprach Deutsch.
Jedenfalls wechselte auch er ins Deutsche, und damit standen wir zu dritt in der Warteschlange und unterhielten uns wie drei gewöhnliche Passagiere, die dasselbe Problem hatten. Wir versuchten herauszufinden, ob wir tatsächlich richtig standen, betrachteten die Anzeigen und die vor uns liegende Menschenmenge und kamen schließlich zu dem Ergebnis, dass dies wohl die richtige Schlange sein musste. Weniger erfreulich war die Erkenntnis, dass sie derart lang war, dass keineswegs feststand, ob wir unseren Flug noch rechtzeitig erreichen würden.
Immerhin war eine meiner Sorgen damit beseitigt. Ich war offenbar am richtigen Ort und musste vorerst nichts weiter tun als warten.
Dafür hatte ich mir inzwischen ein anderes Problem eingehandelt.
Ich sprach nun mit Checker Tobi. Ganz normal. Genau das machte es nicht einfacher. Solange ich ihn noch gar nicht angesprochen hatte, hätte ich jederzeit sagen können, dass meine Kinder seine Sendung kannten. Nun führten wir aber bereits ein vollkommen gewöhnliches Gespräch, in dem mir nicht ersichtlich war, an welcher Stelle ich mich dort mit einem unvermittelten „Übrigens, ich kenne Sie eigentlich“ einklinken sollte.
Je länger unser Gespräch dauerte, desto schwieriger wurde es, das Thema noch zur Sprache zu bringen.
Währenddessen rückte das Ende der Warteschlange unerfreulich stetig näher. Wir standen noch immer unter Zeitdruck und redeten weiter, und die ganze Zeit wusste ich, dass die Gelegenheit, mein eigentliches Anliegen noch vorzubringen, allmählich schwand. Irgendwann begann ich mich bereits mit dem Gedanken abzufinden, es überhaupt nicht mehr zu sagen. Nach einem derart langen, vollkommen gewöhnlichen Gespräch noch mit der Mitteilung hervorzukommen, dass meine Kinder ihn aus dem Fernsehen kannten, und anschließend um ein gemeinsames Foto zu bitten, erschien mir zunehmend bescheuert.
Nach ungefähr vierzig Minuten waren wir beinahe am Ende der Warteschlange angelangt. Vielleicht zwanzig Minuten blieben uns noch. In diesem Augenblick nahm Checker Tobi sein Handy heraus, steckte sich die Kopfhörer in die Ohren und zog sich aus unserem Gespräch zurück. Soweit ich mich erinnere, sagte er noch, dass er etwas arbeiten müsse.
Und mir wurde klar, dass dies vermutlich die letzte Gelegenheit war, die ich bekommen würde.
Da ich nun mit seiner Begleiterin allein zurückgeblieben war, beschloss ich, es zu sagen. Warum ausgerechnet jetzt und warum ausgerechnet ihr, weiß ich nicht. Vermutlich gibt es für derartige Verhaltensweisen irgendwelche psychologischen Erklärungen. Während unseres gesamten Gesprächs hatte ich mich nicht recht entspannen können, weil ich mit einem Hintergedanken daran teilnahm, von dem die beiden nichts wussten. Und aus irgendeinem Grund schien meiner Psyche genau der Augenblick, in dem derjenige, um den es eigentlich ging, sich Kopfhörer in die Ohren gesteckt und abgewandt hatte, geeignet, diesen Hintergedanken endlich offenzulegen.
Ich dachte darüber allerdings nicht weiter nach, sondern sagte ihr einfach mit einer gesenkten Stimme, als würde ich ein Gerücht hinter dem Rücken verbreiten:
„Übrigens, ich glaube, ich kenne ihn. Das ist doch Checker Tobi, oder?“
An diesem Satz war gleich mehreres merkwürdig. Zunächst nach vierzig Minuten gemeinsamen Gesprächs zu der Frau neben mir zu sagen, ich glaube, ich kenne den Mann, mit dem ich soeben diese vierzig Minuten verbracht hatte, war zumindest eine ungewöhnliche Reihenfolge.
Hinzu kam, dass ich „Checker Tobi“ vollkommen selbstverständlich als seinen Namen verwendete. Nicht als Titel einer Fernsehsendung, sondern wie Peter Müller. Das ist doch Peter Müller, oder? Für mich hieß er eben Checker Tobi.
Seine Begleiterin nahm die Mitteilung erfreulicherweise vollkommen gelassen auf. Sie bestätigte, dass er es tatsächlich sei, und machte ihn auf mich aufmerksam. „Sie kennt die Sendung“, sie schubste ihn leicht auf die Schulter.
Auch das war, genau genommen, richtiger als meine eigene Formulierung. Ich kannte die Sendung. Ich kannte nicht ihn.
Damit war Checker Tobi wieder im Gespräch, diesmal allerdings in seiner Eigenschaft als Checker Tobi, und ich erklärte, weshalb ich ihn überhaupt kannte. Ich erzählte von meinen Kindern, die seine Sendung seit Jahren sahen, von den mehrfach gesehenen Folgen und auch von der bei uns offenbar nicht abschließend zu klärenden Frage, ob Checker Tobi oder Checker Can der bessere Checker sei. Kurz darauf sprachen wir über die Sendung, einzelne Folgen und meine Kinder.
An die genaue Abfolge dieses Gesprächs erinnere ich mich kaum noch. Es ging plötzlich alles recht schnell, und ich war zugleich erleichtert und weiterhin eigentümlich angespannt. Einerseits war nun endlich ausgesprochen, was ich seit dem Bus mit mir herumgetragen hatte. Andererseits fragte ich mich inzwischen, ob das alles wirklich hatte sein müssen. Es war zweifellos nett, Checker Tobi in Israel zu begegnen. Meine Kinder würden sich darüber ungeheuer freuen. Aber es hätte meinetwegen auch einfach nicht passieren dürfen. Ich hatte an diesem Tag eigentlich schon genügend andere Dinge zu erledigen.
Als wir schließlich beinahe das Ende der Warteschlange erreicht hatten und nur noch wenige Minuten blieben, brachte ich auch mein eigentliches Vorhaben zu Ende und fragte nach einem Foto. Wie es auf ihn gewirkt haben mag, nach einem langen, vollkommen gewöhnlichen Gespräch plötzlich doch noch um das klassische gemeinsame „Fan-Foto“ gebeten zu werden, vermag ich nicht zu beurteilen und möchte es, wenn ich ehrlich bin, auch gar nicht wissen.
Er willigte jedenfalls ohne Weiteres ein, und seine Begleiterin machte das Foto von uns.
Damit war zumindest diese Angelegenheit erledigt.
Kurz darauf erreichten wir die Passkontrolle, und unsere Wege trennten sich vorerst. Da Checker Tobi und seine Begleiterin vor mir in der Schlange gestanden hatten, kamen sie auch vor mir an die Reihe und wurden ziemlich schnell weitergelassen. Bei mir dauerte die Angelegenheit erheblich länger.
Der Mann an der Passkontrolle fand offenbar, dass ich einer eingehenderen Befragung bedurfte. Er wollte zunächst wissen, weshalb ich nach Israel gekommen sei und welchen Bezug ich zu dem Land hätte. Ob ich jüdische Verwandte habe. Ob es in meiner Familie eine jüdische Abstammung gebe, ob ich Hebräisch könne.
Schließlich ließ er mich auch weiter. Bei der Gepäckkontrolle wurde ich erneut länger aufgehalten, und als auch diese überstanden war, gelangte ich endlich in den Bereich vor dem Gate.
Checker Tobi und seine Begleiterin sah ich dort nicht mehr. Dafür lernte ich eine andere Frau aus Deutschland kennen, mit der ich den Rest der Wartezeit verbrachte. Erstaunlicherweise gab es nämlich einen solchen Rest. Nachdem wir zuvor in der Warteschlange noch ernsthaft damit gerechnet hatten, den Flug zu verpassen, saßen wir nun doch wieder vor einem Gate und warteten.
Im Flugzeug begegnete mir Checker Tobi dann ein letztes Mal, wenn man es überhaupt noch eine Begegnung nennen kann. Er saß unmittelbar hinter mir. Hätte ich ihn also nicht im Bus getroffen, wäre er mir spätestens im Flugzeug aufgefallen. Zu einer weiteren Unterhaltung kam es nicht, und dafür war ich mittlerweile auch ausgesprochen dankbar.
Eine Frage blieb allerdings noch offen. Meine mit bemerkenswerter Gewissheit entwickelte Theorie, Checker Tobi befinde sich auf einem Transitflug nach Ägypten, hatte sich bekanntlich als falsch erwiesen. Einen Transitflug hatte er tatsächlich. Von Berlin aus flog er weiter nach München. Meine Intuition war also nicht vollkommen unbrauchbar gewesen. Sie hatte lediglich das falsche Land gewählt.
Als ich dann irgendwann nach Hause kam und meinen Kindern mitteilte, dass ich in Israel Checker Tobi getroffen hatte, glaubten sie mir zunächst nicht. Dann zeigte ich ihnen das Foto.
Die Reaktion fiel ungefähr so aus, wie ich es während der gesamten Begegnung befürchtet hatte. Sie waren vollkommen aus dem Häuschen. Selbst das Kind, dessen Loyalität eigentlich Checker Can gehörte, zeigte sich von meiner Begegnung mit dessen Konkurrenten außerordentlich beeindruckt. Die Geschichte musste ich anschließend mehrfach erzählen, mit sämtlichen Einzelheiten und unter Beantwortung weiterer Fragen: Wie war er? Was hatte er gesagt? Wie wirkte er?
Darauf gab es immerhin eine einfache Antwort. Er wirkte erstaunlich genauso, wie er auch in seiner Sendung wirkt: offen, gelassen, freundlich und ausgesprochen unkompliziert.
Die Nachricht verbreitete sich schließlich bis in die Schule, wo „Checker Tobi“ ebenfalls bekannt war und regelmäßig im Unterricht gezeigt wurde. Dort bezeichnete seine Lehrerin meine gesamte Reisebekanntschaft meinem Kind als:
„Deine Mutter hat eine Legende getroffen.“