Die Tragödie des täglichen Einkaufs
Eines der schwierigsten Dinge, die ich im Alltag zu bewältigen habe, ist das Einkaufen. Leider ist es eine Notwendigkeit. Ich habe es bisher nicht geschafft, ohne Nahrung auszukommen.
Die Entfernung zu den nächstgelegenen Läden ist überschaubar: drei Minuten zu einem kleinen, überteuerten Geschäft mit begrenztem Sortiment, etwa zehn Minuten zu Edeka und Aldi und rund fünfzehn Minuten zu Lidl und zwei verschiedenen Nettos. Letztere habe ich seit mindestens drei Jahren nicht mehr betreten.
Worin besteht also das Problem bei diesen „Ausflugaktionen“?
Es sind vor allem die Menschen. Die Kundschaft im Laden, die Verkäufer, besonders jene, mit denen eine Interaktion unvermeidlich ist. An der Kasse kommt man nun einmal nicht vorbei. 😩
„Nah und Frisch“ wäre der Logik nach die ideale Wahl: direkt um die Ecke, kaum Publikumsverkehr. Doch genau das ist das Problem: Die Verkäufer sind immer dieselben. Sie sehen nicht täglich Hunderte Gesichter, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sie sich mein Gesicht merken. Was sie vermutlich längst getan haben. Der Besitzer, der oft selbst an der Kasse sitzt, lächelt mir bereits auf der Straße entgegen. Das ist eindeutig zu viel. Dazu kommen die hohen Preise und das begrenzte Sortiment. Und trotzdem: Es ist bequem, dort mal eben ein paar Äpfel oder Bananen zu holen. Ich habe inzwischen gelernt, nur drei Äpfel zu kaufen und dann eben wieder drei, wenn die ersten aufgebraucht sind. Keine Kilo-Käufe mehr wie früher.
Da „Nah und Frisch“ also wegfällt, bleiben Aldi und Edeka.
Fangen wir mit Edeka an: Die Gründe, diesen Laden zu meiden, drängen sich auf. Es ist dort permanent überfüllt. Menschen überall: am Eingang, in den Gängen, vor den Regalen … und am schlimmsten: an der Kasse. Da stehen sie, vor dir, hinter dir … legen ihre Einkäufe auf das Band, schieben ihre Wagen, atmen. Einmal hat ein Mann hinter mir eine Bierflasche fallen lassen, und das Zeug hat mich angespritzt. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass das mein Einkaufserlebnis nicht gerade verbessert hat.
Warum also nicht zu Aldi?
Die Antwort beginnt mit einem „Trotzdem ist Aldi eigentlich der beste Laden“ – aber während Corona durfte man nur mit Einkaufswagen hinein, und zwar mit einem hauseigenen. Die von Aldi sind riesig. Ich kann sie kaum lenken. Edeka bietet immerhin kleinere Modelle. Gut – die Regel gilt nicht mehr. Was hält mich also heute von Aldi ab? Die Antwort ist: Die Bananen.
Man glaubt es kaum, aber bei Aldi schmecken sie einfach nicht, egal ob unreif, reif oder überreif. Ich kann sie zwar essen, aber sie schmecken nach nichts. Es ist, als hätte man nur die Konsistenz einer Banane im Mund, aber keinen Geschmack. Bei Edeka sind sie durchgehend gut. Ob von „Gut & Günstig“ oder der Eigenmarke: Sie schmecken.
Edeka bietet zwar auch mehr Auswahl, aber vieles davon findet man auch bei Aldi, oft sogar in besserer Qualität und zu besseren Preisen. Nur eben nicht die Bananen. 😩 Vielleicht könnte ich auf Bananen verzichten? Man liest ja immer wieder, wie schlecht sie angeblich sind. Wahrscheinlich stimmt das sogar. Aber ehrlich gesagt weiß ich inzwischen gar nicht mehr, was ich eigentlich essen darf, soll oder kann. Also bleibe ich vorerst bei den Bananen und damit bei Edeka. Und bei den Menschenmengen. 😩
Das Leben ist einfach. Einfach zu schwer.
29.09.2022
P.S.: Bei Rossmann gibt es seit etwa einem Jahr Selbstbedienungskassen. Es ist kaum in Worte zu fassen, wie sehr diese mein durch und durch trostloses Leben erleichtert haben. Ach, wäre doch nur alles, was ich brauche, bei Rossmann erhältlich! 😩 Leider beschränkt sich das Essenangebot auf abgepacktes, kaum genießbares Brot, Milch, Kaffee, Tee und Süßigkeiten. Natürlich könnte man auch bei Edeka oder Aldi Selbstbedienungskassen einführen. Der Albtraum der Verkäuferinteraktion wäre endlich vorbei. Aber das erscheint derzeit wie eine ferne Zukunft, die ich wohl nicht mehr erleben werde. Und ja, selbstverständlich: Eine Online-Bestellung mit Lieferung wäre ebenfalls ganz nach meinem Geschmack. (Ja, ich weiß, das gibt es längst – in Großstädten. Ich lebe nicht in einer.)